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Wie Games Geschichte erzählen

Digitale und analoge Games sind das größte populärkulturelle Medium unserer Zeit. Ein beachtlicher Teil von ihnen spielt in einem historischen Setting, insbesondere im Mittelalter.

Wusstest du, dass es heute mehr als ein Mittelalter gibt? Zwischen romantischer Verklärung und düsterer Dystopie begegnet uns das Mittelalter in unterschiedlichen Formen.

Let's Play Mittelalter — Buntglasfenster mit Gamer auf dem Thron, Drache, Hansekogge und Schwertkämpferin

Eine Epoche, zwei Bilder

Romantisch

Das idyllische Mittelalter

Im romantischen Bild erscheint das Mittelalter als ein Ort der Sehnsucht voller Ritter, Burgen, Feste und Abenteuer. Ritter werden oft als mutige Helden dargestellt, die für Ehre und Gerechtigkeit kämpfen. Auch Burgen, mittelalterliche Märkte und prächtige Feste vermitteln den Eindruck einer aufregenden und besonderen Epoche. Hinzu kommt die Idee von unberührter Natur und Landschaften. Diese Vorstellung wurde dabei vor allem zur Zeit der Romantik und der Staatengründung im 19. Jahrhundert geprägt.

Finster

Das düstere Mittelalter

Dem gegenüber steht das düstere Mittelalterbild. Hier wird die Zeit vor allem mit Krieg, Gewalt, Armut, Krankheiten und schlechten Lebensbedingungen verbunden. Die Menschen lebten ohne die Vorzüge der Modernen. Besonders wirkmächtig ist dabei die Vorstellung einer alles unterdrückenden Kirche. Deshalb wird das Mittelalter häufig als eine harte und unsichere Zeit dargestellt, die man erfreulicherweise überwunden hat.

Vorstellungen von heute

Was ist wahr?

Das Mittelalter war weder nur eine romantische Zeit der Ritter und Feste noch ausschließlich eine dunkle Epoche von Gewalt und Leid. Es gab große Unterschiede zwischen den Menschen, den Regionen und den verschiedenen Jahrhunderten. Neben Kriegen und Krankheiten gab es auch Handel, Handwerk, Bildung, Kunst und kulturelle Entwicklungen.

Mittelalterbilder verraten viel mehr über die Vorstellungen vom Mittelalter und unsere heutige Gesellschaft. Das romantische Mittelalter kann eine Sehnsucht nach Abenteuer, Gemeinschaft oder einer einfacheren Welt ausdrücken. Das düstere Bild zeigt dagegen unsere Angst vor Gewalt, Krankheiten und unsicheren Lebensbedingungen bzw. einer generellen Überforderung.

Hansekogge aus dem Keyvisual

Schlüsselmotive

Ritter, Drachen, Prinzessinnen

Bestimmte Motive verbinden wir sofort mit dem Mittelalter. Dazu gehören Ritter und Burgen, Drachen und Prinzessinnen, Turniere, Kathedralen, mittelalterliche Märkte oder große Gelage. Solche Bilder sind tief in unserer Vorstellung von dieser Epoche verankert und sind Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Entsprechend tauchen sie in Filmen, Büchern, Spielen und Serien immer wieder auf.

Diese Motive funktionieren dabei als „Mittelalter-Marker“. Sie helfen uns dabei, eine Spiel- oder Fantasiewelt schnell zeitlich einzuordnen. Oft reichen schon wenige Elemente aus: eine Burg auf einem Hügel, ein Ritter mit Rüstung oder ein Kloster mit Mönchen – und sofort entsteht in unserem Kopf das Bild einer mittelalterlichen Welt.

Dabei müssen diese Motive nicht unbedingt historisch genau sein. Drachen und Märchen gehören beispielsweise eher zur Welt der Sagen und Fantasie als zum tatsächlichen Alltag des Mittelalters. Trotzdem erkennen wir sie als typisch mittelalterlich, weil sie durch Geschichten, Filme und Spiele zu festen Bestandteilen unserer Vorstellung geworden sind.

Feuerspeiender Drache aus dem Keyvisual

Sachkultur

Echt authentisch?

Kingdom Come: Deliverance (2018), Warhorse Studios
Kloster Sasau, Sázava, Tschechien
Kingdom Come: Deliverance (2018), Warhorse Studios / Kloster Sasau, Sázava, Tschechien

Architektur

Gebäude, Waffen, Kleidung und Alltagsgegenstände können entscheidend dazu beitragen, dass eine Spielwelt glaubwürdig und authentisch wirkt. Deshalb orientieren sich viele Computerspiele an historischen Vorbildern. Selbst wenn eine Spielwelt stark von Fantasy geprägt ist und beispielsweise Magie, Monster oder erfundene Völker vorkommen, greifen die Entwickler häufig auf Elemente aus der mittelalterlichen Geschichte zurück.

Age of Empires II – Definitive Edition (2019), Microsoft
Normannenpalast, Palermo
Age of Empires II – Definitive Edition (2019), Microsoft / Normannenpalast, Palermo

Dekoration

Besonders detailreiche Ausrüstungen und Architekturen vermitteln den Eindruck, dass die dargestellte Welt nach bestimmten Regeln funktioniert und eine eigene Geschichte besitzt. Eine realistisch gestaltete Rüstung, ein historisch wirkendes Schwert oder eine mittelalterliche Burg können dabei bereits ausreichen, um eine Verbindung zum Mittelalter herzustellen.

A Plague Tale: Innocence, Asobo Studios (2019)
Die Dame mit dem Einhorn, Musée de Cluny, Paris
A Plague Tale: Innocence, Asobo Studios (2019) / Die Dame mit dem Einhorn, Musée de Cluny, Paris

Fantasy

Dabei geht es nicht unbedingt darum, die Vergangenheit vollständig korrekt darzustellen. Historische Elemente werden häufig ausgewählt, verändert oder mit fantastischen Bestandteilen kombiniert. Sie dienen vor allem dazu, einer Spielwelt eine bestimmte Atmosphäre und einen glaubwürdigen Rahmen zu geben.

Kingdom Come: Deliverance 2, Warhorse Studios (2025)
Waffenkammer, Churburg, Südtirol
Kingdom Come: Deliverance 2, Warhorse Studios (2025) / Waffenkammer, Churburg, Südtirol

Authentische Atmosphäre

Gerade diese Verbindung von historischen Vorbildern und Fantasie macht viele Mittelalter-Spiele besonders interessant. Die Spieler erkennen vertraute Elemente aus der Geschichte wieder, betreten gleichzeitig aber eine Welt, die so nie existiert hat. Auf diese Weise entsteht eine Mischung aus Bekanntem und Erfundenem, die das Mittelalter für Spiele besonders vielseitig macht.

Medientraditionen

Typisch Mittelalter?

Games greifen häufig Bilder und Elemente auf, die bereits aus Filmen, Serien oder anderen Spielen bekannt sind. Figuren, Sounds, Architektur oder Designs können dadurch als „mittelalterlich“ wahrgenommen werden, auch wenn sie historisch nicht unbedingt dem Mittelalter entsprechen. Auf diese Weise entstehen und verfestigen sich bestimmte Mittelalterbilder, die über verschiedene Medien hinweg weitergegeben und verändert werden.

Ein Beispiel dafür ist der Film „Der Name der Rose“ nach dem Roman von Umberto Eco. Die Darstellung des Klosters, der Mönche und der düsteren Atmosphäre vermittelt ein bestimmtes Bild des Mittelalters. Dabei handelt es sich nicht um eine rein historische Darstellung, sondern um eine durch filmische Mittel wie Licht, Musik, Kostüme und Architektur geprägte Interpretation.

Solche medial vermittelten Vorstellungen können anschließend von anderen Medien aufgegriffen werden. Auch die Darstellung von William von Baskerville durch Sean Connery trägt zur Prägung dieses Mittelalterbildes bei. Seine Darstellung und das damit verbundene Bild der Figur können in späteren medialen Darstellungen aufgegriffen und weiterverarbeitet werden.

Auch die Figur Robin Hood wurde über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu interpretiert. Filme und Serien haben dabei bestimmte Elemente etabliert, etwa den Wald, den geächteten Helden, Bogenschützen, Burgen und Ritter. Diese vertrauten Motive finden sich auch in Games wieder und ermöglichen es Spielenden, eine Spielwelt schnell als „mittelalterlich“ zu erkennen.

Damit entsteht ein Kreislauf medialer Mittelalter-Rezeption: Historische Vorstellungen werden durch Filme, Serien und andere Medien verändert und vereinfacht und anschließend von Games aufgegriffen. Games können diese Bilder wiederum weiterprägen. Das in populären Medien dargestellte Mittelalter ist daher weniger ein unmittelbares Abbild der historischen Vergangenheit als vielmehr eine kulturell geprägte Vorstellung, die sich über verschiedene Medien hinweg entwickelt.

Robin Hood – König der Vagabunden (1938)
Disney's Robin Hood (1973)
Robin Hood – Helden in Strumpfhosen (1993)
Robin Hood – The Legend of Sherwood (2002)

Games sind das größte Geschichtsmedium unserer Zeit

Zahlen und Fakten

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Schwertkämpferin aus dem Keyvisual

Was Historiker:innen, Entwickler:innen und Influencer:innen sagen

Stimmen aus der Branche

„Die Geschichte schreibt die besten Geschichten.“

Tobias Stolz-Zwilling (Kingdome Come: Deliverance) Tobias Stolz-Zwilling (Kingdome Come: Deliverance) PR-Manager · Warhorse Studios

„Mittelalter spielt eine große Rolle in »Catan«, aber eher im Sinne, dass es sich um eine vorindustrielle Zeit handelt.“

Benjamin Teuber (CATAN) Benjamin Teuber (CATAN) Spieleautor

„Das Mittelalter ist eine Basis, auf die wir uns alle einigen können.“

Prof. Lena Falkenhagen (Das Schwarze Auge) Prof. Lena Falkenhagen (Das Schwarze Auge) Autorin · Narrative Designerin

„Wir wollten von Anfang an zeigen, dass das Mittelalter mehr ist als Mitteleuropa.“

Manuel Reinher (Anno1404) Manuel Reinher (Anno1404) Game Director

„In der Stadt selbst, diese ganzen mittelalterlichen Befestigungen, da kam mir die Idee zu »Carcassonne«.“

Klaus-Jürgen Wrede (Carcassonne) Klaus-Jürgen Wrede (Carcassonne) Spieleautor

„Warum gibt es eigentlich noch keine geile Templersimulation?“

Dr. Joachim Rother (MDVAL) Dr. Joachim Rother (MDVAL) Promovierter Templerforscher · Content-Creator

„Gerade Rollenspiele und LARP haben mich geprägt, deswegen hat mich Geschichte zu interessiert.“

Andrej Pfeiffer-Perkuhn (Geschichtsfenster) Andrej Pfeiffer-Perkuhn (Geschichtsfenster) Geschichtsvermittler · Content-Creator

„Das Mittelalterklischee, das mich am meisten nervt, ist das von chronisch unterdrückten Frauen.“

Aurelia Brandenburg Aurelia Brandenburg Historikerin · Game Studies

„Das Schönste ist, wenn du über historische Spiele mit einer Facette von Geschichte in Berührung kommst, die du davor nicht kanntest.“

Maurice Weber Maurice Weber Content-Creator

„Ein gutes Mittelalterspiel ist vor allem auch ein gutes Spiel.“

Stephan Bliemel (Steinwallen) Stephan Bliemel (Steinwallen) Content-Creator

„Ein wenig Licht ins angeblich dunkle Mittelalter zu bringen, kann schon sehr erfüllend sein.“

Dr. Andreas Moitzi (Copeylius) Dr. Andreas Moitzi (Copeylius) Content-Creator · Promovierter Historiker

„Wenn ich ein Mittelalterspiel möchte, dann möchte ich auch ein Mittelalter- und kein Fantasyspiel.“

Mháire Stritter (OrkenspalterTV) Mháire Stritter (OrkenspalterTV) Content-Creator:in

„Das Mittelalter ist für mich ein Gefühl, ein Vibe, den es zu treffen gilt.“

Maximilian Knabe (HandOfBlood) Maximilian Knabe (HandOfBlood) Content-Creator · Influencer

„Gaming hat gegenüber der Wissenschaft einen klaren Vorteil: seine Massentauglichkeit.“

Lisa-Marie Fitzner (Randaliza) Lisa-Marie Fitzner (Randaliza) Content-Creatorin

Die Spiele der Ausstellung

Was ist ein Mittelalter-Game?

Mittelalter-Spiele sind keine historischen Dokumente — sie sind Spiegel unserer Gegenwart. Jede Burg, jeder Drache, jedes Pestopfer in Games erzählt mehr über die Zeit ihrer Entstehung als über das Mittelalter. Die Spiele, die in der Ausstellung »Let’s play Mittelalter« thematisiert werden, erzählen reichweitenstark und auf ganz unterschiedliche Weise ihre Geschichte vom Mittelalter.

Wie bitte?

Ist das etwa KI?

Ein bisschen, ja! Im Ausstellungs-Raum »Taverne« war KI eines von mehreren Werkzeugen in einem längeren Gestaltungsprozess: Erst kamen Recherche und Skizzen, dann half KI bei den Grundmotiven und einzelnen Figuren, allerdings erst nach vielen Anläufen und mit reichlich Nacharbeit.

Der Rest ist von Hand gemacht: Bildaufbau, Lichtstimmung und die finale Montage in Photoshop, inklusive Nebel und ein paar kleiner Easter Eggs für aufmerksame Augen.

Schau dir den gesamten Prozess an und bilde dir eine Meinung!

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LET'S PLAY: MITTELALTER

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Die Ausstellung erwartet dich ab dem 9. Oktober 2026 im Europäischen Hansemuseum Lübeck.

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Gamerin auf dem Thron aus dem Keyvisual

Wer diese Ausstellung möglich macht

Partner & Sponsoren

Let’s play Mittelalter. Vom 09.10.2026 bis 31.10.2027 im Europäischen Hansemuseum in Lübeck.

Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Wir danken allen Unterstützer:innen, fördernden Institutionen und Kooperationspartner:innen: